01. 04. 2017

Der Ursache auf der Spur

Bormangel-Pflanze mit erkennbaren Zeichen von Spitzendürre.

Phänomen Spitzendürre bei Liguster
In Freilandquartieren speziell von Ligustrum vulgare 'Atrovirens' kommt es regelmäßig zu einer Triebspitzendürre an den Pflanzen. Diese Spitzendürre wird nicht durch den Befall mit Schaderregern wie Pilze oder Bakterien ausgelöst. Es handelt sich auch nicht um Toxizitätsschäden durch überhöhte Düngung oder unverträgliche Pflanzenschutzmittel. Versuche in Ellerhoop zeigen vielmehr, dass Bormangel ein Auslöser ist.

Der Schaden hat somit eine abiotische, nährstoffbedingte Ursache. Auf leichten, sandigen Böden tritt das Problem der Spitzendürre deutlich häufiger auf als auf lehmigen, ist aber auch dort durchaus möglich. Welche Anzeichen deuten auf eine beginnende Spitzendürre hin?

Symptome
Im Anfangsstadium des Schadens bekommen die jüngsten Blätter der Triebspitzen einen violetten Farbstich und verdrehen sich leicht. Sie sitzen nur noch sehr locker an den Zweigen und können leicht abgestreift werden. Im fortgeschrittenen Stadium werden die Triebspitzen der betroffenen Pflanzen kahl und trocknen von der Spitze her zurück. Der Umfang des Zurücktrocknens kann wenige Zentimeter betragen, aber auch Ausmaße bis zu etwa 40 cm annehmen. Betroffene Pflanzen können dadurch ein ganzes Sortiermaß an Länge verlieren.

Der Schaden bildet sich typischerweise erst in den späten Sommermonaten aus, oftmals erst im Zeitraum August bis Oktober, und dann recht kurzfristig. In diesem Zeitraum zeigen Liguster-Pflanzen häufig noch starkes Wachstum, so dass der Bedarf an Nährstoffen hoch ist.

Versuchsanlage
Bereits 2015 wurde ein Versuch angelegt, bei dem 1-jährig bewurzeltes Steckholz von Ligustrum vulgare 'Atrovirens' in 3-l-Container getopft wurde. Neben einer Grunddüngung mit 4,5 kg/m3 Plantacote Depot 6M (ohne Spuren) wurden die Pflanzen unterschiedlich mit Spurennährstoffen versorgt: Die Kontrollpflanzen erhielten den kompletten Satz an Spurennährstoffen in einem Verhältnis beigemischt, wie es dem Mikronährstoff-Depotdünger Radigen entspricht (2,0% Fe, 1,5% Cu, 1,0% Mn, 0,6% B, 0,5% Zn). Bei den Versuchsvarianten wurde jeweils ein Spurennährstoff weggelassen (siehe Tabelle 1).

Das Ergebnis nach dem ersten Versuchsjahr war nicht eindeutig, da das Schadbild nur gering ausgeprägt war. Der Anteil geschädigter Triebspitzen war aber in der Bormangel-Variante mit 47 Prozent höher als in der Kupfermangel-Variante mit 16 Prozent. Die Pflanzen wurden Anfang 2016 zurückgeschnitten und in 10-l-Container umgetopft. Erneut wurde bei den gleichen Pflanzen jeweils der gleiche Spurennährstoff weggelassen.

Im Verlauf des Monats Juni kam es dann zu einer deutlichen Symptom-Ausprägung. Bei den im zweiten Jahr ohne Kupfer kultivierten Pflanzen waren zu diesem Zeitpunkt lediglich die jüngsten Blätter leicht chlorotisch und das Wachstum der Pflanzen im Vergleich zu den komplett versorgten Kontrollpflanzen etwas vermindert.
Blattfall und vertrocknete Triebspitzen waren zu diesem Zeitpunkt nicht erkennbar. Die Bormangel-Variante zeigte dagegen im Juni sehr deutlich mit kahlen und vertrockneten Triebspitzen die typischen Symptome der Spitzendürre. Bei den übrigen Versuchsvarianten, wo Eisen, Mangan oder Zink weggelassen wurde, kam es ebenfalls zu leichtem Minderwuchs und Laubaufhellungen; ein Absterben von Trieben war jedoch nicht vorhanden.

Zum Ende der Vegetationszeit 2016 wurden die Pflanzen vermessen. Es wurde die Frischmasse des Sprosses sowie die Trieblänge erfasst. Bei den Bormangel-Pflanzen waren seit Juli einige recht kräftige neue Triebe gewachsen, die unterhalb der abgestorbenen Triebspitzen entsprangen. Dadurch entstanden ungleichmäßig entwickelte Pflanzen mit vielen kurzen und einigen langen Trieben.

Bei den Kupfermangel-Pflanzen war es zwischenzeitlich ebenfalls zu einem Stillstand des Längenwachstums gekommen, und auch hier zeigten sich jetzt vermehrt abgestorbene Triebspitzen, die Ende Juni noch nicht sichtbar gewesen waren. Das Schadbild an den Kupfermangel-Pflanzen ähnelte zu Vegetationsende sehr dem der Bormangel-Pflanzen.

Parallelversuch
In einem zweiten Versuch, der zeitgleich im Jahr 2015 mit dem vorab dargestellten Versuch angelegt worden war, wurde ebenfalls 1-jährig bewurzeltes Steckholz von Ligustrum vulgare 'Atrovirens' in 3-l- Container getopft. Auch die Grunddüngung war die gleiche (4,5 kg/m3 Plantacote Depot 6M, ohne Spuren). In diesem Versuch bekamen alle Pflanzen Spurennährstoffe im Verhältnis wie im ersten Versuch beigemischt, nur dass diesmal bei allen Pflanzen das Bor weggelassen wurde.

Im Frühjahr 2016 wurden auch bei diesem Versuch die Pflanzen zurückgeschnitten und in 10-l-Container umgetopft, ebenfalls wieder ohne Bor. Im Sommer erfolgte dann eine differenzierte Blattdüngung mit Bor zu den Terminen 21. Juli, 28. Juli und 17. August 2016.
Hendrik Averdieck,
Dr. Andreas Wrede, Thorsten Ufer
LWK Schleswig-Holstein,
Abt. Gartenbau, Ellerhoop



Lesen Sie den ausführlichen Beitrag über den Versuchsaufbau sowie vorläufige Ergebnisse in Ausgabe 03/2017 Deutsche Baumschule.

 

 

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