02. 05. 2016

Erste Fachgruppen-Tagung der INDEGA in Grünberg

Auf eine  gelungene erste Fachgruppen-Tagung kann die INDEGA zurückblicken. Vizepräsident Wolfgang Kräss (Kräss GlasCon) zog ein durchweg positives Fazit und strich besonders die intensive aktive Beteiligung der Mitglieder heraus. Die gemeinsame Tagung aller Fachgruppen fand auf Initiative der Fachgruppe Gewächshaus unter Thomas Hain (RAM) in der Bildungsstätte des deutschen Gartenbaus in Grünberg statt.

Das Motto der Bildungsstätte, Bildung und Begegnung passt dabei genau zu dem Ziel, das die INDEGA mit gemeinsamen Aktivitäten wie dieser Tagung verfolgt: persönliche Kontakte untereinander fördern, Vertrauen aufbauen, aktiv mitarbeiten, neue Erkenntnisse mitnehmen und auch Wissen einbringen. Umso erfreulicher war es, dass neue Mitglieder und auch junge Mitarbeiter der Mitgliedsfirmen die knapp zwei Tage nutzten, um sich im Netzwerk INDEGA bekannt zu machen.

In der Plenumsveranstaltung am ersten Tag hatten Gast-Referenten das Wort. Die meisten INDEGA Mitglieder sehen den Export als eine wesentliche Maßnahme für eine positive Entwicklung ihrer Unternehmen an. Marco Spinger vom Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) unterstrich die Bedeutung von Messen für die Kontaktaufnahme und –pflege in Auslandsmärkten. „Sie sind in der glücklichen Lage, dass zur  IPM Essen und zur Fruit Logistica in Berlin gleich auf zwei Weltmessen Fachleute aus aller Welt zu ihnen kommen und erste Kontakte auf heimischem Boden möglich sind“, stellte Spinger einleitend fest.

Dennoch sei es zwingend notwendig sich in den Ländern, in denen man dauerhafte Kontakte aufbauen möchte, auch persönlich zu zeigen. Klein- und mittelständische Unternehmen kämen da schnell an ihre Grenzen. Die Bundesministerien für Landwirtschaft und Ernährung sowie Wirtschaft unterstützten die Industrie, indem sie Gemeinschaftsbeteiligungen auf ausländischen Messen unter dem Label Made in Germany organisierten. Spinger machte auch deutlich, dass es dabei durchaus sinnvoll sein kann, sich auch auf Agrarmessen zu zeigen, da der Gartenbau unter Glas und Folie in vielen Ländern keine eigene Veranstaltung kennt. Als Beispiel nannte er die Messe in Shiraz, auf der sich nach dem Abbau der Sanktionen im Iran ganz Europa tummele. Sich hier sofort auf dem Gemeinschaftsstand zu zeigen, wie es Mitglieder der INDEGA täten, sei der richtige Weg. Für die beiden genannten Ministerien beobachtet der AUMA weltweit rund 5300 Messen.

Als zweite Referentin ging Prof. Dr. Heike Mempel von der Hochschule Weihenstephan auf die Anforderungen ein, denen sich Gärtner und Gartenbauindustrie beim Bau neuer Produktions- und Verkaufsgewächshäuser stellen müssen. Sie stellte dabei die Verbindung zu Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Individualisierung der Gesellschaft sowie Energiewende und Trend zu gesunder Ernährung als entscheidende Einflussfaktoren her.

Wer sich gesund ernähren wolle, lege Wert auf Vielfalt und Regionalität der Produkte, setze aber gleichzeitig darauf, dass diese komplett ohne Chemie produziert würden. Der Nachweis einer umweltverträglichen Produktion mit Energiebilanz, Nachweis über Wasserverbrauch und andere Stoffkreisläufe erfordere schon gegenüber der Handelsebene eine umfangreiche Dokumentation der Produktionsprozesse. Hydroponische Kulturverfahren oder die Clean Production in komplett geschlossenen Systemen werden als kommende Lösungen gerade für urbane Ballungsräume gesehen.

Angesichts der Produktionsstätten auf Dächern, in Schiffscontainern oder in Fabrikgebäuden wie sie Start-Ups wie EFC Farms, Urban Farmers, Infarm oder Urban Crops anböten, ersparte Mempel den deutschen Unternehmen nicht den Vorwurf, hier vielleicht die Entwicklung einer Nische nicht ernst genug genommen zu haben. „Auch die Verbindung mit der Frischfischproduktion in Aquakultur lasse sich medienwirksam vermarkten und spreche gerade jüngere Bevölkerungsschichten an.“

Wie weit Handelspartner in die Produktion hineinwirkten zeige sich auch, wenn bei der regionalen Vermarktung vom Gärtner die ganzjährige Lieferfähigkeit verlangt werde und sich damit plötzlich die Belichtungsfrage stelle. „Wir können davon ausgehen, dass der Produzent die Forderung erfüllen muss, wenn er Lieferant bleiben möchte“, sagte Mempel. Der Druck, dem sich Gärtner heute in der Produktion und Vermarktung ausgesetzt sehen, bleibe auch bei Investitionsentscheidungen nicht ohne Folgen. Um zu vernünftigen Lösungen zu kommen sei eine ganzheitliche Sichtweise, die einen hohen Automatisierungsgrad einschließe, nötig und nicht das Denken in einzelnen Gewerken. Gewünscht werde heute eine komplette Abwicklung von der Bauplanung bis zur Kulturberatung aus einer Hand, um den Produktionsprozess unter dem optimalen Einsatz der einzelnen Komponenten sicher und genau steuern zu können.

Im Gegensatz zur deutschen Industrie sei das in den Niederlanden schon seit längerem praktizierte Wirklichkeit. Die Verzahnung zwischen Forschung, Beratung, Industrie und Produzenten funktioniere einfach besser. Dem wollte der zweite Referent Jos Balendonck von der Universität Wageningen nicht widersprechen. Gleichwohl wies er anfangs auf die deutlich unterschiedlichen Startbedingungen in Forschung und Entwicklung hin. Die Universität Wageningen sei multidisziplinär aufgestellt und bediene von der Genetik bis zur Robotik alle für den Gartenbau relevanten Themen. Sie könne dabei auf das Potential von rund 10.000 Studenten aus derzeit 106 Nationen zurückgreifen, die einerseits spezielle Problemstellungen einbrächten, andererseits Wageninger Erkenntnisse in alle Welt exportierten.

Die engere Zusammenarbeit der Unternehmen untereinander auch über unterschiedliche Ausrichtungen hinweg liegt für Balendonck in der anderen Denkweise der Holländer begründet. „Wir waren schon immer offener für Partnerschaften, die sich beispielsweise in intensiven themengebundenen Arbeitsgruppen äußern. Balendonck sieht zudem eine höhere Bereitschaft der holländischen Branche, schneller neue Methoden auszuprobieren, was letztlich zum Vorsprung gegenüber anderen führe.

Am Beispiel diffuses Licht machte er die Auswirkungen in der Praxis deutlich. Es gab zunächst die Idee, dass es positive Effekte haben könnte, wenig später den wissenschaftlichen Nachweis. Als Folge davon und dem Interesse der von Beginn an eingebundenen Gärtner, hier aktiv zu werden, entstanden neue Produkte. Heute stehen in Holland bereits 125 Hektar Gewächshäuser mit den entsprechenden Bedachungsmaterialien, mit denen Tomatenproduzenten acht bis zehn Prozent höhere Erträge erzielen.

Da auch in Holland der Staat nicht alles finanziert, ist vor zwei Jahren ein neues Modell entstanden, der Busisness Club Wageningen. In diesen Sponsoringclub der Universität treten kleine Unternehmen ein, die über einen Jahresbeitrag von Minimum 7000 Euro einen Fond geschaffen haben, über den verschiedene Projekte gefördert werden. Auf diese Weise konnten recht unterschiedliche Vorhaben verwirklicht werden, unabhängig von den Interessen der Großunternehmen, die weiter eigene Aufträge vergebe. Leitgedanke sei dabei unter Einbeziehung der Produzenten schnell zu praxistauglichen Lösungen zu kommen, sie auszutesten und dann auf breiter Basis einzuführen.

Den zweiten Tag nutzten dann die Fachgruppen zur intensiven Diskussion ihrer spezifischen Themen. Das Spektrum reichte dabei von Pflanzenfabriken über Applikationstechik im Pflanzenschutz und Agraroboter bis zu neuen Auslandsmärkten.

Mehr unter  www.indega.de




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