Die Baumschulwirtschaft

Die Baumschulwirtschaft zählt mit einem Produktionswert von rund 1,168 Mrd. Euro zu den wirtschaftlich wichtigen Sparten im deutschen Gartenbau (Zentrum für Betriebswirtschaft im Gartenbau, 2014). Auf einer Fläche von rund 19.000 ha produzieren mehr als 2.000 Betriebe die verschiedensten Arten von Laub- und Nadelgehölzen. Damit werden rund 10 % der Anbaufläche im Gartenbausektor durch Baumschulen bewirtschaftet. Die meist familiär geprägten Unternehmen – oft seit Generationen im Besitz – produzieren und vermarkten Gehölze vom Sämling bis zum Großbaum. Dazu gehören Allee- und Parkbäume, Blüten- und Obstgehölze, aber auch Ziersträucher, Bodendecker, Rosen sowie Hecken- und Kletterpflanzen. Die meiste Fläche wird für die Produktion von Ziersträuchern und -gehölzen verwendet.

Die größten deutschen Anbaugebiete befinden sich in Norddeutschland (Niedersachsen im Landkreis Ammerland und Schleswig-Holstein im Landkreis Pinneberg). Dan ach folgen Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Brandenburg. In den drei Bundesländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen befinden sich zusammen fast 65 Prozent der gesamten Flächen.

Tradition im Wandel

Auch die Baumschulwirtschaft unterliegt dem Strukturwandel. Die Zahl der Betriebe sinkt, während die verbleibenden größer werden. Kleine Betriebe st eigen aus der Produktion aus, die Flächen werden meist von anderen Betrieben, dies gilt vor allem inden Anbauzentren, übernommen.
Generell variieren die Betriebsgrößen stark – von unter einem Hektar bis zu 600 ha. Im Schnitt liegt die bewirtschaftete Fläche aber bei rund 10 ha. Die Baumschulunternehmen produzieren nicht nur für den einheimischen Markt, sondern auch für den Export, Tendenz steigend. Zu den Hauptabnehmerländern gehören die Schweiz, Frankreich, die skandinavischen Länder, die Benelux-Staaten, Polen, Tschechien und Russland.
Die Absatzwege der deutschen Baumschulen umfassen, je nach Ausrichtung und Vermarktungsschwerpunkten die öffentliche Hand, Firmen des Garten- und Landschaftsbaus, den Einzelhandel und die Privatkunden.

Im Baumschulsektor hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine Arbeitsteilung entwickelt, wobei die Grenzen oft fließend sind bzw. ineinander übergehen: Produktionsbaumschulen, die oft in den Anbauzentren ansässig sind, liefern an lokale Versand- oder Handelsbaumschulen, die wiederum ihre (zugekaufte) Ware an
Großkunden vermarkten. Das Absatzgebiet dieser Betriebe erstreckt sich weit über den lokalen Bereich hinaus; sie bedienen den nationalen Markt, aber auch internationale Märkte. Den direkten Absatz an Endkunden ab Betrieb oder Gartencenter findet man häufig bei Baumschulen in Streulagen. Diese Einzelhandels- bzw. Endverkaufsbaumschulen setzen ihre Ware, ergänzt durch Zukäufe, direkt an Privatkunden ab.
Hinzu kommen beispielsweise noch Forstbaumschulen oder auch Produzenten von Weihnachtsbäumen und anderen Spezialkulturen.

Herausforderungen der Zukunft

Wie jeder Wirtschaftszweig steht auch die Baumschulwirtschaft regelmäßig vor Herausforderungen. In ihrem Fall zählt hierzu insbesondere der Klimawandel. Zum einen muss sie heute die Gehölze wählen und produzieren, die in Zukunft den neuen klimatischen Anforderungen gewachsen sein werden – mit dem naturgegebenen nötigen Vorlauf dafür.
Zum anderen muss sie mit den Veränderungen zurechtkommen, die heute bereits spürbar sind wie Starkregen im Wechsel mit anhaltender Trockenheit etc. Weitere sind unter anderem die Mechanisierung, auch angesichts von Fach- aber auch Saisonkräftemangel, und beispielsweise die Digitalisierung im Handel, die Eindämmung der Verbreitung von Schädlingen durch den internationalen Handel und vieles mehr. Dem gegenüber wächst das Bewusstsein für die Bedeutung von „Grün“ bei Bevölkerung und Politik, speziell, wenn es um stark diskutierte Themen geht wie den Erhalt der biologischen Vielfalt oder wie unsere Städte auch angesichts zunehmender Sommerhitze bewohnbar bleiben. Die Rolle, die Baumschulen hier spielen werden sowie die eigenen Potenziale und Innovationskraft in gewachsenen Strukturen – auch das macht die Baumschulwirtschaft aus.