10. 11. 2014

Imkerin: „Neonicotinoide 7.000 mal giftiger als DDT“

Mellifera, die Vereinigung für wesensgemäße Bienenhaltung weist auf die Schädlichkeit von Neonicotinoiden hin. Foto: AUFORT Jérome / Fotolia.

Wie schädlich Pflanzenschutzmittel für Bienen sein können, verdeutlicht eine Reportage der Mellifera. Die Vereinigung für wesensgemäße Bienenhaltung beleuchtet das Diskussionsthema aus Sicht der Imkerin Angelika Sust. Für die Branche ein „heißes Eisen“, da der Einsatz von Neonicotinoiden seit längerem diskutiert wird.

„Bienen fliegen bis zu drei Kilometer weit, um Nektar und Pollen zu sammeln. Logisch, dass sie da auch Ackerflächen anfliegen, die gespritzt werden“ erzählt die Imkerin. Die Neonicotinoide sind Nervengifte, die große Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Bienen haben. Aufgrund mangelnder Studien zur Risikobewertung dieser Wirkstoffe, verbot die EU-Kommission den Einsatz von drei neonicotinoiden Wirkstoffen. Seit dem 1. Dezember letzten Jahres dürfen Clothianidin, Imidacloparid und Thiamethoxam nicht mehr angewendet werden.

Sust erklärt: „Neonicotinoide sind hochwirksame Pflanzenschutzmittel. Ihre Giftigkeit ist 7.000 mal höher als die von DDT. Besonders gefährlich sind ihre subletalen Effekte, diese führen nicht zum sofortigen Tod, sondern stören die Kommunikationsfähigkeit und den Orientierungssinn der Bienen. Sie finden nicht mehr in den heimischen Stock zurück und gehen zugrunde.“ Das habe sie auch an ihren eigenen Bienen gemerkt. In den vergangenen Jahren entwickelten sich die Völker schlechter und viele Bienen starben.

Hersteller-Konzerne verklagen EU – Mangel an Beweisen
Die Hersteller-Konzerne BASF, Bayer und Syngenta haben nun allerdings die EU-Kommission verklagt. Sie werfen der Kommission unter anderem einen Mangel an Beweisen für eine schädliche Wirkung der Neonicotinoide auf Honigbienen vor.

„Es gibt einige Studien, die die subletalen Effekte der Neonicotinoide nachgewiesen haben“, so die Imkerin. Prof. Dr. Menzel von der Freien Universität in Berlin veröffentlichte im März dieses Jahres seine neuesten Forschungsergebnisse, die die negativen Auswirkungen der Pestizide bestätigen.

Um bei dem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof mitwirken zu können, haben die großen deutschen und europäischen Imkerverbände eine Prozessbeteiligung beantragt und wurden nun angenommen. So erhalten sie wie die klagenden Chemiekonzerne Einsicht in alle Schriftsätze und können eine außergerichtliche Einigung hinter verschlossenen Türen verhindern.

„Der Einsatz von Neonicotinoiden schädigt nicht nur die Bienen“
„Der Einsatz von Neonicotinoiden schädigt nicht nur die Bienen. Unsere gesamte Umwelt ist betroffen, der Artenschwund wird beschleunigt und zerstört letztendlich unser aller Lebensgrundlagen“, findet auch Thomas Radetzki, Imkermeister von Mellifera. „Ohne die Bestäubung der Bienen müssten wir auf ein Drittel unser Lebensmittel verzichten, denn 80 Prozent der Nutzpflanzen und Wildkräuter sind auf Bestäubung durch Insekten angewiesen“, ergänzt Sust. (ts)

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