20. 04. 2016

Nicht alle Eschen sind krank

Blattnekrosen und Welke des distalen Blattteiles nach Infektion mit Hymenoscyphus fraxineus. Fotos: Kowalski/ Kehr

Aktuelles zum Eschentriebsterben
Seit mehr als 20 Jahren leiden die Eschen an dem Eschentriebsterben. Die Anfälligkeit der Eschenarten ist dabei unterschiedlich, von Fraxinus excelsior wurden inzwischen resistente Individuen identifiziert.

Die Krankheit kommt inzwischen in den meisten Teilen des natürlichen Areals der Esche vor. Der Erreger, der Schlauchpilz Hymenoscyphus fraxineus (Syn. H. pseudoalbidus, anam. Chalara fraxinea), stammt ursprünglich von asiatischen Fraxinus-Arten, die weitgehend resistent sind. Befallen werden Eschen in allen Altersklassen. Unabhängig vom Alter führt die Krankheit zum Absterben einzelner Bäume, Baumgruppen und in manchen Regionen auch ganzer Waldbestände. Der Krankheitsprozess verläuft besonders schnell im Falle von jungen Bäumen, bei älteren Bäumen zeigt sich oft ein chronisches Krankheitsbild.

Anfälligkeit der Arten
Nach Europa eingeschleppt, erwies sich H. fraxineus als aggressives und zum Teil letales Pathogen von F. excelsior und F. angustifolia. Die dritte in Europa einheimische Eschenart, F. ornus, zeigte sich in ersten Infektionsversuchen als relativ widerstandsfähig, weist aber unter Bedingungen eines hohen Infektionsdrucks natürliche Infektionen der Blattstiele auf. Dennoch schränkt dies vermutlich die Verwendbarkeit dieser Baumart nicht ein, außer in unmittelbarer Nähe zu sehr stark erkrankten Eschenbeständen.

In Estland wurden durch H. fraxineus verursachte Krankheitssymtome an asiatischen F. mandshurica sowie an nordamerikanischen F. nigra Marsh. und F. americana L. beobachtet, ebenfalls unter hohem Infektionsdruck, aber nur F. nigra erwies sich als höher anfällig. Die häufig in Europa angepflanzte Grün-Esche, F. pennsylvanica, ist im Vergleich zu den heimischen Eschen deutlich weniger anfällig. Ähnlich wie F. ornus ist bei dieser Art daher die Verwendbarkeit nur dort eingeschränkt, wo ein sehr hoher natürlicher Infektionsdruck herrscht.

Resistente Einzelbäume
Im Hinblick auf die Zukunft der heimischen F. excelsior als Wald- und Straßenbaum ist die Frage der Resistenz beziehungsweise Toleranz von Einzelbäumen oder Provenienzen (Herkünften) von großem Interesse. Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass in Populationen von F. excelsior ein geringer Anteil von Individuen existiert, die resistent oder hochtolerant gegen H. fraxineus sind. Deutliche Klonunterschiede wurden beispielsweise in Dänemark und Schweden in einem Feldversuch festgestellt, auch in Süddeutschland wurden Provenienzunterschiede gefunden.

In Litauen wurden unter 24 europäischen Eschenpopulationen signifikante Unterschiede in der Resistenz gefunden, wobei die vor Ort heimischen Populationen eine geringere Schädigung aufwiesen, was auf einen bereits erfolgten Selektionsprozess zurückgeführt wird. In Polen wurden zwei molekular Marker gefunden, die mit der potenziellen Resistenz der Bäume in einigen Eschenpopulationen verbunden sind.

Krankheits-Management
Bislang existieren kaum konkrete Empfehlungen für Gegenmaßnahmen. Der lange Zeitraum der Askosporenproduktion des Erregerpilzes und die Vielzahl anfälliger Eschen in Waldbeständen sorgen derzeit weiterhin für eine hohe Durchseuchungsrate. Daher sind weiterhin hohe Ausfallraten in Wäldern und auch in Straßenpopulationen der heimischen Esche zu erwarten.
Prof. Dr. Tadeusz Kowalski,
Landwirtschaftliche Universität, Forstliche Fakultät, Kraków/Polen
Prof. Dr. Rolf Kehr,
HAWK, Göttingen


Lesen Sie mehr zum Eschentriebsterben, dem Krankheitsmanagement und einen Ausblick in Ausgabe 04/2016 Deutsche Baumschule.

 

 

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