20. 04. 2017

Restrukturierung bei Lappen

Im Gespräch: Eberhard Stock, Hans-Jürgen Dieck und Christian Lappen. Foto: Gabriele Friedrich

Entwicklungen im Insolvenzverfahren
„Wir werden Ihnen nicht durch die Lappen gehen!“ Mit diesem Satz weist die Baumschule Lappen auf ihrer Website eindrücklich auf ihr Fortbestehen hin.

Die Gründe für die Insolvenz der Baumschule Lappen (Nettetal) erläuterte Insolvenzverwalter Eberhard Stock (Krefeld) noch einmal in einem Gespräch mit der TASPO Anfang März, an dem auch Geschäftsleiter Hans-Jürgen Dieck und Inhaber Christian Lappen teilnahmen:
Man habe sich vorzugsweise um die Gehölzproduktion gekümmert, ebenso um Grund und Boden, habe dabei aber Marktverhältnisse und Kosten aus den Augen verloren. Der Vertrieb habe nicht die Rolle gespielt, die ihm zukam. Es mangelte daran, verbindlich und verantwortlich festzulegen, was genau kultiviert wird. Zwar sei das Unternehmen schnell auf 650ha gewachsen, doch seien nachlassende Erlöse nicht richtig interpretiert worden.

Auch der bei Familienunternehmen häufige Generationenkonflikt habe eine Rolle gespielt. Christian Lappen bestätigte im Gespräch, dass die Geschäftsführung erst im November 2015 wechselte, nach einer Mediation durch Unternehmensberater. Getroffene Entscheidungen habe er nicht immer im Betrieb umsetzen können.
Als weitere Ursachen nannte Stock, dass sehr viel Geld in Grund und Boden, Hallen und Maschinen investiert wurde – so wurde sehr viel Kapital gebunden, das kurzfristig nicht liquide zu machen war. Auch Dieck bestätigte, dass es in vergleichbar großen Baumschulen keinen so umfangreichen Maschinenpark gebe. Doch diese Qualitätsbestände seien vorhanden und in gepflegtem Zustand, die Mitarbeiter hätten gute Arbeit geleistet, unterstrich Stock.

Herbstgeschäft lief gut
Der Insolvenzverwalter ist daher zuversichtlich, mit der Baumschule neu durchstarten zu können, zumal das Herbstgeschäft außerordentlich gut war. Absatzmenge und Umsatz hätten gestimmt, „und es sind die richtigen Bäume verkauft worden, viel aus dem eigenen Bestand.“ Das habe sich positiv auf den Ertrag ausgewirkt. Gerade vom älteren Bestand sei viel abgeflossen, speziell nach Russland; hier konnten „die passenden Bäume in der richtigen Größe“ für ein großes Projekt der Stadt Moskau geliefert werden, so Lappen – auch dank guter Kontakte des Seniors, ergänzte Dieck.

Auf Basis des guten Herbstgeschäfts sei nun genügend Liquidität und Substanz vorhanden, um zuversichtlich auf die nächsten Jahre zu blicken, betonte Stock. „Wir stehen nicht so sehr unter Druck, sondern können aus eigener Kraft uns viel Zeit mit der Restrukturierung des Unternehmens lassen.“ Seit Oktober war Stock bemüht, Ruhe in den Betrieb zu bringen, denn es sei in solcher Situation nicht einfach, qualifiziertes Personal zu halten. So richtig ans Werk konnte es dann ab Januar gehen.

Zurzeit werden alle wichtigen Planungen für 2017 erstellt: von der Finanz- und Ergebnisplanung bis zur Kultur- und Personalplanung. Ziel sei, bereits in diesem Jahr Überschuss zu erwirtschaften, so Stock.
Gabriele Friedrich, Köln/TASPO

Erfahren Sie noch weitere Details sowie wichtige Informationen zur Sanierung eines Unternehmens in der Ausgabe 04/2017 Deutsche Baumschule.




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